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Haarausfall verstehen

Haarausfall nach der Schwangerschaft: Ursachen und Verlauf

Geschrieben von Akya Karahan, Junior-Spezialistin für digitales Content-Marketing

Medizinisch geprüft von Dr. Muhammet, MD Anatom und Spezialist für Haartransplantation

Eine junge Mutter hält lächelnd ihr Neugeborenes im Arm, im hellen Schlafzimmer liegt auf der Kommode neben ihr eine Haarbürste
Eine junge Mutter hält lächelnd ihr Neugeborenes im Arm, im hellen Schlafzimmer liegt auf der Kommode neben ihr eine Haarbürste

Haarausfall nach der Geburt ist meist ein telogenes Effluvium: Nach der Schwangerschaft sinkt der Östrogenspiegel, wodurch viele Haare gleichzeitig in die Ruhephase wechseln. Das ist vorübergehend. Der Ausfall erreicht seinen Höhepunkt etwa drei bis vier Monate nach der Geburt und bildet sich in der Regel innerhalb von sechs bis zwölf Monaten von selbst zurück. Eine Transplantation ist nicht nötig.

Ein paar Monate nach der Geburt bleiben plötzlich Haare in der Bürste, am Kissen und im Abfluss. Für viele frisch gewordene Mütter ist das ein Schreck, oft mitten in einer ohnehin fordernden Zeit. Die beruhigende Nachricht vorweg: In den allermeisten Fällen ist dieser Haarausfall vorübergehend und ein völlig normaler Teil der Rückbildung nach der Schwangerschaft.

Ist Haarausfall nach der Geburt normal?

Ja. Der Fachbegriff lautet postpartales telogenes Effluvium, und es betrifft sehr viele Frauen in den ersten Monaten nach der Entbindung. Es handelt sich nicht um erblichen Haarausfall und in aller Regel auch nicht um ein Zeichen für eine Erkrankung.

Die American Academy of Dermatology stellt ausdrücklich klar, dass dieser Ausfall bei vielen jungen Müttern auftritt und normal ist, kein echter Haarverlust im eigentlichen Sinne. Was Sie sehen, ist kein dauerhaftes Ausdünnen, sondern eine verzögerte, gebündelte Ausfallphase.

Warum es passiert

Der Schlüssel ist das Hormon Östrogen. Während der Schwangerschaft ist der Östrogenspiegel hoch. Das hält viele Haare länger in der Wachstumsphase, als es sonst der Fall wäre. Deshalb empfinden viele Frauen ihr Haar in der Schwangerschaft als besonders voll und kräftig, denn Haare, die normalerweise ausgefallen wären, bleiben stehen.

Nach der Geburt fällt der Östrogenspiegel innerhalb kurzer Zeit stark ab. Die zurückgehaltenen Haare wechseln nun alle mehr oder weniger gleichzeitig in die Ruhe- und Ausfallphase. Der Verlust wirkt dadurch massiv, weil sich sozusagen mehrere Monate normalen Haarausfalls auf einmal entladen. Es fallen nicht mehr Haare aus, als hätten stehen bleiben dürfen, sie fallen nur alle zusammen aus.

Ein verbreiteter Irrtum ist, das Stillen sei schuld. Das Stillen selbst löst diesen Haarausfall nicht aus, entscheidend ist der hormonelle Abfall nach der Geburt. Auch Mütter, die nicht stillen, erleben denselben Verlauf. Abstillen ist deshalb kein Mittel gegen den Ausfall.

Der typische Verlauf

Der zeitliche Ablauf ist bei den meisten Frauen ähnlich und hilft, die Situation einzuordnen:

  • Höhepunkt: Der stärkste Ausfall zeigt sich meist etwa drei bis vier Monate nach der Geburt.
  • Erholung: In der Regel beruhigt sich die Situation über die folgenden Monate. Die American Academy of Dermatology geht davon aus, dass die Haarfülle bis zum ersten Geburtstag des Kindes wieder ihren gewohnten Zustand erreicht.
  • Nachwachsen: Häufig sieht man kurze, aufrecht stehende neue Haare am Haaransatz. Das sind keine Bruchhaare, sondern nachwachsendes neues Haar, ein gutes Zeichen.

Weil die Follikel dabei nicht geschädigt werden, ist dieser Ausfall selbstlimitierend. Auch das telogene Effluvium ganz allgemein bildet sich, wie die Cleveland Clinic beschreibt, nach dem Ende der Ausfallphase meist innerhalb von drei bis sechs Monaten von selbst zurück.

Was tatsächlich hilft

Da der Prozess von selbst abklingt, geht es weniger um eine Behandlung als um schonenden Umgang und Geduld. Sinnvoll sind vor allem einfache Dinge:

  • Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß, Eisen und Mikronährstoffen, gerade in der Stillzeit.
  • Sanfter Umgang mit dem Haar: wenig Hitze beim Styling, keine straffen Zöpfe oder Dutts, die zusätzlich am Ansatz ziehen.
  • Ein Haarschnitt oder ein Volumen gebendes Shampoo kann das Haar in der Übergangszeit optisch voller wirken lassen.

Nahrungsergänzungsmittel sind bei einer normalen Rückbildung meist nicht nötig. Bei nachgewiesenem Mangel, etwa an Eisen, ist eine gezielte Ergänzung nach ärztlicher Rücksprache sinnvoller als ein pauschales Präparat.

Wann ein Arztbesuch statt einer Transplantation sinnvoll ist

Eine Haartransplantation ist bei postpartalem Haarausfall der falsche Weg. Sie behandelt dauerhaften, musterförmigen Verlust, nicht eine vorübergehende hormonelle Umstellung, die sich von selbst zurückbildet. Wer hier operiert, löst ein Problem, das ohnehin verschwindet.

Ärztlichen Rat sollten Sie einholen, wenn der Ausfall nach etwa einem Jahr nicht nachlässt, wenn kahle, glatte Stellen entstehen oder wenn Begleitsymptome wie starke Müdigkeit auftreten. Dann lohnt sich der Blick auf andere Ursachen, etwa eine Schilddrüsenstörung oder Eisenmangel, wie sie beim allgemeinen diffusen Haarausfall eine Rolle spielen. Auch der britische Gesundheitsdienst rät bei anhaltendem oder ungewöhnlichem Haarausfall zu einer ärztlichen Abklärung.

Falls sich nach der Rückbildung herausstellt, dass zusätzlich ein anlagebedingtes Muster besteht, das schon vor der Schwangerschaft angelegt war, ist es hilfreich, die Formen auseinanderzuhalten. Wie sich ein solches Muster von vorübergehendem Ausfall unterscheidet, zeigt unser Beitrag zur Witwenspitze und dünner werdenden Stirnpartie.

Ihr nächster Schritt, ganz ohne Druck

In den meisten Fällen ist der beste nächste Schritt schlicht Geduld: Beobachten Sie über einige Monate, ob am Ansatz neue Haare nachwachsen. Bleibt der Ausfall nach dem ersten Jahr bestehen oder folgt er einem klaren Muster, können Sie einige Fotos für eine kostenlose und unverbindliche Einschätzung einsenden. Auch die Auskunft, dass es sich um einen normalen, vorübergehenden Verlauf handelt und Sie nichts weiter tun müssen, ist ein völlig gutes Ergebnis.

Medizinischer Hinweis. Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlungsempfehlung. Eine Haarwiederherstellung ist ein operativer Eingriff, und die Ergebnisse sind individuell verschieden. Holen Sie vor einer Entscheidung eine persönliche Beurteilung durch qualifiziertes medizinisches Fachpersonal ein.

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